19

Dez

Herr Uhlmann in High-Fidelity

Von Benny in Konzertreport, ganz was anderes

Vielleicht sollte man immer mit so geringen Erwartungen an Livekonzerte herangehen…aber man kaum sagen, dass es nur daran gelegen haben soll. Jedenfalls: Die Altvorderen und altersweisen Bekannten und zahlreiche Expertenkommitees hatten schon so viel gelästert, dass kaum noch Hoffnung bestand, Tomte könnten mir noch gefallen.

Allerdings trug der Zufall mir eine Karte für das Konzert im Zakk ins Haus und es war mit eine Freude der schreibenden Zunft mit Fachwissen und Tomte-Anekdoten aus alten Zeiten mit Rat und Unterhaltung zur Seite zu stehen. Und, was gibt es jetzt zu sagen?

[Einschränkungen]
Ja, der neue Klavier und Blaskeyboard Simon Irgendwer sieht aus und wirkt wie irgendein Kamerakind, dass bei MTV TRL das meet-and-greet mit Thees gewonnen hat, und Thees so mit Rotwein im Kopp: “Ey, kannst du Keyboard spielen?” Anderer Vergleich: Thomas Schäfer-Gümbel. Wenn Thees den kleinen Mann per Handzeichen beim großes Klavierklimperfinale steuert ist die Augsburger-Puppenkiste nicht weit weg. Egal.

Und ja, der neue Drummer ist anders als der liebe gute alte Timo Bodenstein (allein dieser Name fehlt). Was schon am Haar- und Bartwuchs deutlich wird, äußert sich für das fachliche Ohr vor allem im brilliant-krispen Klang der Zildjian K Becken. Klingen hervorragend, aber so stehen ehemals sanft anklingende Crash-Akzente unangenehm im Vordergrund und das sanfte Pingping auf dem Ride wird zu breiten Flächen. er trommelt gut, keine Frage, aber ihm fehlt die besondere Eigenart eines Herr Bodenstein.

Und ja, die Band ist weniger Tomte denn ein Thees-Uhlmann-Quin- oder Sextett. Zwischenzeitlich holen sie holt Thees den Jugend-Musiziert-Preisträger am Cello Gunnar (wohl von der Schreiband Escapado - aber so sieht er wirklich, wirklich nicht aus) für den Coldplay-Effekt mit auf die Bühne . Thees lässt sich wie immer bei New York selbst besingen und bleibt als letzter am Ende noch ne halbe Minute auf der Bühne um sich auch gebührend von allen zu verabschieden, während die Begleitmusiker schon längst verschwunden sind.

Und ja, wo früher die Mädchen im Publikum bunte selbstgestrickte  Pullover und Mützen oder verblichene T-Shirts von Bands deren Namen niemand kennt trugen und nach Patschuli oder Haschisch dufteten, da tragen sie heute Esprit und Madonna, haben erstaunlich gute Zähne und sehen irgendwie nach Deutsch-LK am evangelischen Privatgymnasium aus.

es gibt sie da draußen, diese schönen, schönen Menschen

[Nichtsdestotrotz]

Jedoch: Es passt. Der erste Eindruck beim zweiten Song (Korn&Sprite): Wie, wenn man seine alten Platten das erste Mal auf der neuen guten Stereoanlage anhört. Tomte klingen rund und weich. Die Wut, die Spitzen, die Jugend die aus den schreienden Gitarren sprach ist verklungen, dafür werden die Instrumente jetzt vor jedem Song sorgfältigst gestimmt. Das macht vor allem die alten Songs dann so schön, wie sie bei einem selbst im Kopf schon immer geklungen haben. Es erschwert zwar (selbst den jungen, enthusiastischen Zuhörern) das Hüpfen schwer, das (gedankliche) Mitsingen aber umso angenehmer.

Auch springt das ausgesprochene Glücklichsein des Herrn Uhlmann über, noch mehr aber das unausgesprochene Glücklichsein des Herrn-Fuchs-Klon Dennis Becker an der Jazz-Gitarre. Und wie geil, das Christian Ulmen es geschafft hat, sich für seine neue Serie “Mein neuer Bassist” bei Tomte reinzuschmuggeln! Selbst einige der neue Songs springen so (vorher ungehört) auf mich über und ich will bei Gelegenheit nochmal ernsthaft in die Heureka hereinhören.

Hmmm, als ich gestern Abend diesen Eintrag in meinem Kopf vorformuliert  habe, war ich sogar noch begeisterter, aber spielten wohl auch zwei große Pils eine nicht zu übersehende Rolle. Aber auch nüchtern bleibt festzuhalten, ich habe mich sehr über dieses Konzert gefreut und werde Tomte standhaft gegen weitere Anfeindungen verteidigen!
Insofern:

Eine Liebe zur Musik, eine Liebe zu den Tönen L.Y.B.E.


11

Jun

Will ich auch

Von Benny in Freunde und Bekannte, Konzertreport

Portch machen einen auf dicke Hose. Beim Gig im DÄG am Samstag - klein, warm, feucht - gabs Visuals auf Bettlaken hinterm Schlagzeug. Will ich auch haben. Nur, dass man so schwer an Beamer kommt, wenn man nicht grade der Uni vorlügen will, dass man abends um 20h noch ein Referat halten muss. War auf jeden Fall ne schicke Sache, und jetzt warte ich drauf, dass man sich den Film noch mal in Ruhe ansehen kann…


11

Mai

pe ple.clubbar (II), 10.05.2007

Von Sebastian in Konzertreport

Wer schön weit weg wohnt, ist als erster daheim. Zug kriegen müssen = nicht abbauen müssen: nicht nett, aber ganz schön praktisch.

Also: wie es war? Ganz schön spannend bis kurz vor los. Die englischen Spaßpunker hatten ein Drumset versprochen, kamen aber nicht. Wegen drei Stunden in und um Hannover. Also “schnell noch mal in den Proberaum”. Und alles noch rechtzeitig hinbekommen.

Der Fuß vom Molly-Drummer war motivationsgestählt doch dabei, also kein unplugged-Erlebnis zu Beginn. Dafür zwei Bands, die auf keinen Fall anfangen wollen: “Wir haben jetzt schon so vielen Leuten Bescheid gesagt”. Was soll ich sagen? Münze geworfen und die Platzwahl souverän für uns entschieden: Danke dafür, Markus.

Auf der Bühne war alles gut (oder das Warten hat so lässig gemacht, dass die Verspieler auch egal waren?) Jedenfalls scheint ihr da draußen ja auch ganz zufrieden gewesen zu sein, ne? Und ich habe hinterher niemandem damit in den Ohren gelegen, wie mies das gerade war. Da muss man doch fast von einem gelungenen Live-Erlebnis sprechen.

+ : die Wunschzugabe bei den Bandkollegen durchbekommen, nach der ersten Strophe des ersten Lieds dann auch in die Tonlage gefunden und dort geblieben; gut nach Hause gekommen; und der allzu exzentrische Teil des Publikums hat sich für die Engländer aufgespart

- : ? fällt mir morgen vielleicht was zu ein…