LTD. EC-500 BKS
Ich möchte etwas über meine neuste Gitarre erzählen. Nur für’s Protokoll: es ist eine Ltd. EC-500 BKS oder auch Ltd. EC-2005. Nicht zu verwechseln mit der Ltd. EC-500S BKS !! Das ist in etwa so wie mit der Volksfront von Judäa… äh… der judäischen Volksfront… ich schweife vollends ab, aber gerade diese Verwirrung ist wichtig für die Geschichte.
Diese Gitarre gefiel mir schon, als ich sie das erste Mal im Katalog sah. Im Grunde einer Les Paul nachempfunden, aber in entscheidenden Punkten verbessert. Ich fasse zusammen:
- der Tonabnehmerschalter ist nicht im Weg sondern bei den Reglern
- 24 Bünde
- Saitenführung durch den Korpus statt Stoptailpiece
- geringeres Gewicht
- ergonomisch angepaßte Form
- kein Schlagbrett
- keine Griffbretteinlagen
Aber warum überhaupt Les Paul ? Meiner Meinung nach ist es die schönste Gitarrenform. Diese Gitarre hatte ich letztes Jahr irgendwann in einem großen Kölner Musikhaus angetestet und habe sie wieder zurückgestellt. Erstens sollte die plötzlich teurer als im Katalog ausgezeichnet sein, zweitens klang sie echt ätzend (ich tippe auf eine leere Batterie, jawohl, sie hat nämlich aktive EMGs !), drittens gefielen mir Logo und Farbe nicht, viertens war ich mir sicher, daß diese Gitarre so keine Begeisterung in meinen Bandkollegen entfacht.
Damit war das Thema erledigt und ich wandte mich anderen … Gitarren zu - das ist eine eigene Geschichte - bis ich im April dieses Jahres einem Konzert der Helsinki Vampires, the 69 Eyes beiwohnte. Der Sängergitarrist der zweiten Vorband spielte nämlich eben jene Gitarre auch, allerdings sah die schon ziemlich abgefuckt aus. Die beiden Gitarristen der 69 Eyes spielen auch jeweils Gitarren desselben Typs, allerdings nicht von Ltd. sondern ESP. Wahrscheinlich Custom Shop, denn Gitarren dieser Art gibt es von ESP gar nicht. Der geneigte Gitarrist kann sich aber eine solche Gitarre für 4.650 $ bei ESP bauen lassen.
Da also eine echte ESP mehr oder weniger unerschwinglich ist, dachte ich wieder über die Ltd. nach.
Jetzt ist es so, daß diese Gitarre ein Jubiläumsmodell zum dreißigjährigen Bestehen der Firma ESP ist. Daher gibt es die Gitarre auch mit einem protzigen Jubiläumsinlay am zwölften Bund:

Also ein limitiertes Modell und zu dem schon zwei Jahre alt. Da ist gar nicht so leicht heranzukommen. In der aktuellen Produktpalette von Ltd. gibt es die gar nicht mehr. Da gibt es jetzt die Ltd. EC-500S BKS. Die sieht anders als die Ltd. EC-500 BKS. Nur muß man auch wissen, daß das zwei verschiedene Gitarren sind. Hier der Vergleich:

Aber natürlich gibt es noch Händler, die die Gitarre sehr wohl im Sortiment haben. Eigentlich eine tolle Sache, limitierte Modelle auf Vorrat kaufen und dann zu gegebener Zeit teuer verkaufen. Die Angebote reichten von 729 bis 799 EUR. Natürlich haben mich nur die günstigen Angebote interessiert. Ich schrieb eine E-Mail an Versandhaus A, um zu fragen, ob an dem Preis von 729 EUR noch etwas zu machen sei. Der Preis beinhaltete bereits den Versand und eine Tasche.
Ich erhielt Antwort, daß ich die Gitarre für 700 EUR haben könne. In meiner Naivität schrieb ich eine zweite E-Mail, einmal um zu testen, ob es zu der Gitarre noch eine Alternative mit gleicher Ausstattung aber anderer Farbe gäbe, und um zu fragen, ob an dem Preis nicht NOCH etwas zu machen wäre. Wortwörtlich, ob man die sieben vorne nicht noch wegbekäme.
Die Antwort wiederum war niederschmetternd. Der gute Mann am anderen Ende des Rechners hatte auf meine Frage hin mal ein wenig recherchiert und herausgefunden, daß es die Gitarre, von der ich sprach, nicht mehr gäbe und ob es auch die aus der aktuellen Palette sein dürfte. Daher mußte ich ihm leider absagen, aber bis heute war dies der freundlichste und zuvorkommendste Kontakt, den ich je zu einem Musikalienfachverkäufer hatte.So setzte ich meine Suche fort.
Bei Musikversandhaus B fand ich auf der Seite eine Gitarre mit der richtigen Bescfhreibung, allerdings ohne Bild. Auf mein Nachfragen handelte es sich ebenfalls um die falsche Gitarre.
Ich hatte die Gitarre vor Zeiten von Musikversandhaus C angeboten mal bei einem großen Internetauktionshaus gesehen. Den machte ich ausfindig und mailte ihn an, ob die Gitarre noch verfügbar sei. Ich erhielt Antwort in Form eines Links zu einer neuen Auktion. Außerdem sei es die letzte Gitarre auf Lager. Sie sollte 799 EUR ohne Tasche kosten zuzüglich 15 EUR Versand. Glückwunsch zum mit Abstand höchsten Angebot ! Das schrieb ich denen auch prompt. Das konnte man natürlich kaum glauben und wenn ich die Gitarre doch irgendwo günstiger gesehen hätte, würde man den Preis noch um 20 EUR unterbieten. Ich sandte gleich zwei Links die wesentlich günstiger waren. Einmal die eigentlich falsche Seite des Musikversandhauses B und eine andere Internetauktion, die ich zufällig fand und die ebenfalls billiger (749 EUR) war.
Völlig überraschend erhielt ich noch eine E-Mail des Leiters der Gitarrenabteilung von Musikversandhaus A, der mir die Gitarre inklusive Tasche und Versand für 679 EUR anbot. Unschlagbares Angebot. Nur muß sich da im Hause etwas überschnitten haben. Ich stelle mir vor, daß meine zweite Preisnachfrage an den Abteilungsleiter ging und dieser sich der Sache annahm, ohne zu wissen, daß die Sache schon erledigt war. Denn auf meine Nachfrage erfuhr ich, daß er ebenfalls die falsche Gitarre meinte. Er schickte mir sogar ein Bild mit.
Jetzt stand ich da mit dem Superangebot und konnte nichts damit anfangen. So kam es, daß ich an Musikversandhaus D, in dem ich vorher schon einkaufen war, mit einer Preisanfrage herantrat. Ich schrieb, mir läge ein Angebot über 679 EUR vor, ich aber lieber bei denen einkaufen würde und ob sie den Preis nicht mithalten könnten und wollten. Musikversandhaus D bot nämlich ausdrücklich beide Gitarren an, die gesuchte allerdings auch deutlich am oberen Ende der Preisskala mit 799 EUR. In einer Antwort baten die natürlich um einen Link oder vergleichbares, um meine Behauptung prüfen zu können.
Einen Link hatte ich natürlich nicht, aber ich sandte einen Screenshot der E-Mail, in der mir das Angebot unterbreitet wurde, zwar für die falsche Gitarre allerdings mit der richtigen Bezeichnung im Betreff.Musikversandhaus C schrieb ich übrigens auch, daß mir die Gitarre zwischenzeitlich noch günstiger angeboten worden wäre. Die wollten das Angebot allerdings nicht mithalten. Von 20 EUR Nachlaß auf den günstigsten Preis war keine Rede mehr. So sehr bedauert habe ich das auch nicht, weil mir der Laden etwas suspekt war. Ich setzte voll auf Musikversandhaus D mit dem ich auch schon gute Erfahrungen gemacht hatte.
Mit Recht. Man bot mir die Gitarre zu gleichen Konditionen zum gleichen Preis an. Ich freute mich wie ein kleines Kind. Mein Verhandlungserfolg (120 EUR unter Auszeichnungspreis) war der Ausschlaggeber, der mich dazu brachte, die Gitarre dann tatsächlich zu bestellen. Gesagt, gekauft. Nicht zuletzt bleibt festzustellen, daß sich Verhandeln im Internet wirklich lohnt, zumal ich es leichter finde als im echten Leben persönlich im Laden.
Die Gitarre kam in einem großen Karton doppelt gut verpackt an. Die Gitarrentasche, die dabei war, ist allerdings mehr ein dünner Fetzen, eine Gitarre möchte ich damit nicht transportieren. Ein Testbericht über die Gitarre soll das allerdings hier nicht werden, da gibt es hier schon einen. Die Bewertungen bei harmony-central sind ebenfalls bei sehr positiv.
Grund genug, ein paar Kritikpunkte loszuwerden: der Lack ist furchtbar empfindlich. Nicht nur, daß mir die Lackierung nicht außerordentlich gut gefällt, sie ist nicht al sehr beständig. Macken und Kratzer sind schneller drin als du schauen kannst und rundherum läßt sich die oberste Lackschicht mit dem Fingernagel einfach entfernen. Eine neue Lackierung ist eine Überlegung wert. Die schwarze Farbe an der Brücke ist ebenfalls nicht gleichmäßig geworden. Apropos Brücke, Saitenreißen ist damit auch wieder zu einem wöchentlichen Thema geworden.
Trotz dieser Mängel bereue ich den Kauf dennoch kein Stück. Umtausch kam auch nicht in Frage. Gegen was auch ? Mittlerweile ist die Gitarre nirgendwo mehr im Angebot. Die Gitarre läßt sich super bespielen und liegt gut in der Hand. Auch klingt sie trocken schon richtig gut. Optik läßt sich mit mehr oder weniger Aufwand ohne weiteres ändern. Das mit dem Saitenreißen bekomme ich auch in den Griff. Ich habe die Reiter etwas nachgefeilt.
Mit weiteren Modifikationen habe ich auch schon angefangen und das wird noch weitergehen. Als erstes habe ich die Tonabnehmer ausgewechselt. Auf Dauer konnte ich mich mit den aktiven EMGs nicht anfreunden. Die passen nicht recht mit meinem anderen Kram zusammen. Also habe ich statt derer das Tonabnehmerset aus einer Ibanez SC 420 eingebaut. Von den Ibanez habe ich zwei und eine liegt jetzt ausgeschlachtet unterm Bett. Die komplette Elektronik steckt jetzt in der Ltd. Nur Buchse und Schalter sind noch original. Das mit dem Schalter war auch ein Problem, denn für splitbare Humbucker reicht der Dreiwegeschalter einfach nicht. Die Ibanez hat einen Fünffachschalter. Von den fünf Positionen benutze ich allerdings nur vier live. Deshalb habe ich die Schaltung insofern modifiziert, daß ich diese vier Sounds realisieren kann. Dazu habe ich den Tonregler durch ein Push/push-Potentiometer ersetzt. Die sind gar nicht so leicht zu bekommen. Obwohl ich ein logarithmisches bestellte, erhielt ich ein lineares. Ist aber egal, am Tonregler drehe ich eh kaum herum. Wobei ich neulich zu Hause feststellte, daß mir der Sound mit zugedrehtem Tonregler sehr wohl gefällt.
Die Schaltung sieht jetzt folgendermaßen aus: Der alte Schalter funktioniert wie bisher und schaltet zwischen den Humbuckern. Der Push/push-Schalter wechselt zu den beiden inneren Spulen der beiden Humbucker in Serie und ist von dem anderen Schalter völlig unabhängig. Das erschien mir am komfortabelsten. Ich hätte mit dem Push/push auch einfach beide Humbucker splitten können und hätte dann sogar sechs Variationen zur Verfügung, entschied mich aber dagegen. Jetzt habe ich den Sound, den ich kenne und den ich mag, in meiner neuen Gitarre.
Mit den offenen Humbuckern sah die Gitarre gleich sehr viel rockiger aus. Ich wollte noch mehr am Äußeren ändern. Ich überklebte das Logo am Kopf mit weißem Isolierband und schrieb unseren Bandnamen darauf. Das sah so toll gar nicht aus. Dann probierte ich zwei gekreuzte Streifen roten Isolierbandes aus. Die entfernte ich aber auch bald wieder und benutzte sie an anderer Stelle. Derzeit zieren sie die inneren Spulen der beiden Humbucker.
Das Logo am Kopf lasse ich nun sichtbar, nur den Totenkopf habe ich dilettantisch überklebt. Das rote Ltd.-Emblem paßt gut zu den rot beklebten Tonabnehmerkappen.
Die vorerst letzte optische Modifikation entstand aus einer fixen Idee heraus. Ich weiß nicht mehr, wie ich darauf kam. Ich dachte, ich könnte LEDs unter die Tonabnehmer bauen. Ich recherchierte diesbezüglich im Internet, weil ich weiß, daß LEDs nicht so leicht zu verbauen sind (Stichwort Vorwiderstand). Leider fand ich nichts dazu. Der Einfachheit halber frug ich einfach im versierten Elektronikladen nach, was ich bräuchte, um vier LEDs mit einer 9Volt-Blockbatterie zu betreiben. Ich verließ den Laden mit vier LEDs, einem Schiebeschalter und einem Batterieclip. Die LEDs, die ich mir ausgesucht hatte, könnten in Reihe geschaltet ohne Vorwiderstand betrieben werden.
Ich lötete mir also eine Schaltung aus den Teilen zusammen und es funktionierte auf Anhieb. Je zwei LEDs sitzen jetzt unter einem Tonabnehmer. Kabel legte ich durch die vorhandenen Bohrungen. Da die Gitarre aktive Tonabnehmer hatte, war ein Batteriefach sogar schon vorhanden. Der Schalter ist an der Klappe des Elektronikfaches befestigt. Auf den Klang hat die Schaltung keinen Einfluß. Eigentlich verdient der Einbau einen eigenen Beitrag.
Mittlerweile habe ich auch die Kunststoffrahmen, mit denen die Tonabnehmer an der Gitarre befestigt sind durch metallene ersetzt. Weniger eine optische als viel mehr ein qualitative Aufwertung. Ich traue diesen Plastikdingern halt nicht. Die neuen Rahmen habe ich in den US of A bestellt. Der Witz an der Sache ist, daß die Dinger erstens trotz Versandkosten billiger als hierzulande waren, ich sie in der Form hier gar nicht bekommen habe und drittens der Versand schneller ablief als bei so manchem deutschen Musikalienfachversand ! Freitagmittag bestellt, am Mittwoch darauf schon im Briefkasten. Die neuen Rahmen sind nur eine Spur kleiner als die alten und die Schraubenlöcher musste ich auch ein Stück versetzen. Sieht aber dennoch prima aus, das heißt, der Unterschied fällt kaum auf.
So sieht sie jetzt aus:

Recht herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit !
Bis dann dann
Markus
Hi
ich habe auch ne EC-500 (2006)
und habe ebenso einige Modifikationen
durchgeführt, so habe ich die EMG´s gegen Bill Lawrence L500 XL und R getauscht.
die billige Brücke von Sun IL habe ich gegen eine Düsenberg Steelsaddle Bridge getauscht (was für ein Unterschied in Sustain und Ansprache!)
die Komplette Hardware habe ich gegen Chrome-Hardware getauscht, so z.B. die Grover-Mechaniken gegen Schaller M6 Klemmmechaniken und diesen Mechaniken habe ich Ebenholzflügel gegönnt, in Anlehnung an das Ebenholzgriffbrett.
Nebenbei habe ich alle E-Fächer (auch unter den Tonabnehmern) mit Kupferfolie abgeschirmt und auf Masse gelegt, dann noch nen hochwertigen Schalter und gute CTS Potis und nen vernünftigen ERO Kondensator und das Brett ist von Jazz bis heftigsten Deathmetal für alles bestens gerüstet.
Bilder, usw. gibs hier:
http://www.captainbob.de/guitar.htm
Grüßle Robi
Huhu!
Ist zwar schon eine Weile her, aber hättest Du eine Deiner Ibanez SC-420 zu verkaufen? Auch ausgeschlachtet.
Greetz
Heapstar